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Meine erste Aktie – Zocken mit Fokker

Im zarten Alter von 19 Jahren habe ich mein erstes Investment in Aktien gewagt. Damals stand der niederländische Flugzeugbauer Fokker kurz vor dem Konkurs und die Aktie war als Penny-Stock zu kaufen.
Zwischenzeitlich bestand jedoch durchaus Hoffnung auf Rettung und damit natürlich einen schnellen Gewinn an der Börse zu machen. So entschied ich mich zu zocken …

Zum Hintergrund

Fokker wurde 1912 in Berlin gegründet. Nach dem 1. Weltkrieg wurde der Firmensitz nach Amsterdam verlagert, da in Deutschland die Produktion von Flugzeugmotoren und -modellen verboten war. Fokker produzierte sowohl militärische als auch zivile Flugzeuge und war nach dem 2. Weltkrieg wirtschaftlich stabil aufgestellt.
1987 bekam der niederländische Flugzeugbauer finanzielle Probleme. Deshalb stieg zuerst der niederländische Staat und 1993 die DASA (zur Daimler AG gehörig) zur Rettung ein.

Air Berlin F100 D-AGPE Fokker
Fokker 100 der Air Berlin

Fokker’s Weg in den Konkurs

Als die DASA am 22.01.1996 bei Fokker wieder ausstieg, hatte Daimler in Summe Zahlungen von etwa 1 Milliarde DM erhalten. Das entsprach dem damaligen Wert der Beteiligung. Damit konnte sich Daimler mehr oder weniger schadlos halten.

Nun begann die Zeit der Spekulanten, denn es bestand immer noch Hoffnung, dass sich ein anderes Unternehmen bei Fokker beteiligt und damit den angeschlagenen Flugzeugbauer rettet. Schließlich saß immer noch der niederländische Staat bei Fokker mit im Boot.
Jedoch kam etwa 3 Wochen später das Aus für das Traditionsunternehmen. Am 15. März 1996 meldete der Flugzeughersteller Konkurs an und die Anleger gingen am Ende mangels Masse komplett leer aus.

Was lernen wir aus der Story?

Rückblickend finde ich es sehr positiv, wie ich zusammen mit meinem Freund unseren ersten Aktienkauf getätigt habe.
Denn es war entscheidend, dass wir uns vor dem Kauf der Aktie ausreichend informiert hatten und uns somit von Beginn an klar war, dass der niederländische Flugzeugbauer definitiv kein solides Unternehmen war. Es handelte sich ausschließlich um eine kurzfristige Spekulation. Deshalb sind wir beide auch jeweils nur mit 500 DM eingestiegen.
Am Ende haben wir mit dem Kauf unserer ersten Aktie gleich einen Totalverlust erlitten, denn es war nichts weiter als eine Wette auf die Rettung von Fokker.
Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, wenn wir das Geld gleich in Bier investiert hätten, aber so konnten wir unsere erste Börsenerfahrung machen.

Wie ging es danach weiter?

Wir hatten uns überlegt, ob wir uns die wertlosen Aktien ausliefern lassen. Aufgrund der damals hohen Gebühren und des Totalverlusts hatten wir uns dagegen entschieden.
Heute hätten die Aktien wohl wieder einen Wert, nämlich den Sammlerwert.

Fast 20 Jahre später hatte ich auf einer Dienstreise völlig unerwartet das Vergnügen mit einer Fokker 70 von Amsterdam nach Hannover zu fliegen. Schmunzelnd erzählte ich meiner Kollegin von meiner ersten Aktie.
Bei der Recherche für diesen Artikel habe ich leider entdeckt, dass KLM am 28.10.2017 die restlichen Fokker 70 ausmustert. Damit geht dann endgültig eine Ära zu Ende.

Welche Erinnerung hast Du an Dein erstes Investment in Aktien?

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